Newton lebt. Schon wieder. Akt IV, die Re-Re-Resurrection

Am Ende meines letzten Newton-Nachrufs lag die Leiche schön im Sarg. 2024 war Akt III, der dritte Tod, und ich schrieb sinngemäß, ich könne mir kaum vorstellen, dass Newton nochmal wiederbelebt wird. Nun ja. Who would’ve thunk.

Akt IV (2026): Es klopft im Sarg

Am 29.06.2026 taucht auf newtonhq.com ein Blogpost auf: „The calm inbox returns: Newton in 2026″. Signiert nicht von Maitrik oder Justin, sondern von einem gewissen Sanjay vom Pixer team. Neue Crew also. Und wer mal in die Community-Gruppe auf WhatsApp schaut, sieht einen Haufen indischer Nummern.

Die Botschaft: Newton wurde diesmal nicht einfach reanimiert, sondern von Grund auf neu gebaut. Moderner, leichter Stack, desktop-first. Kein Nostalgie-Trip, sondern (Zitat sinngemäß) das eine Problem gefixt, das die App immer wieder umgebracht hat: die teure Server-Infrastruktur. Man könnte interpretieren, dass jetzt nicht mehr alles über zentrale Newton-Server läuft, deren Kosten mit jedem neuen Nutzer steigen und irgendwann die Firma auffressen. Genau dieses „Erfolg macht es teurer“-Problem hat jede vorige Version getötet.

Klingt vernünftig. Ausgerechnet bei Newton.

Was tatsächlich läuft (Stand heute)

Vor der Euphorie kurz zurück auf den Boden:

  • Provider: aktuell nur Gmail, Outlook und Microsoft 365. Meine selbstgehosteten Adressen? Fehlanzeige. IMAP steht noch nicht auf der Liste, kommt vielleicht.
  • Frei downloadbar: nur die Desktop-Apps (Mac, Windows).
  • iOS: scheint closed schon zu existieren, in meinen Händen ist es aber (noch) nicht. Der alte App-Store-Eintrag von CloudMagic, Inc. liegt weiter rum und trägt inzwischen die Notiz „Big things coming to Newton in 2026 — AI features, MCP support, email collaboration“. Der neue Blogpost sagt gleichzeitig, Mobile sei noch nicht fertig. Beides gleichzeitig, sehr Newton.
  • Firma: anscheinend rechtlich weiterhin CloudMagic, Inc.

Also ehrlicherweise: früher MVP. Sanjay nennt es selbst „an early door, not a finished building“. Kann man so stehen lassen.

Newton Setup-Screen mit unterstützten Mailprovidern.

Der Köder, der bei mir zieht

In der Roadmap steht neben AI-Features und Collaboration ausgerechnet: MCP support. Ein Mailclient, der sich als MCP-Baustein ins Agenten-Setup hängt, ist genau die Art Spielzeug, bei der ich schwach werden könnte. Ob daraus mehr wird als ein Feld beim Buzzword-Bingo, muss sich zeigen. Aber der Haken sitzt.

Und das Open-Source-Ding?

Meine Leier von 2024 (please open source this shit) ist unverändert. Der ursprüngliche Contingency-Plan von 2020 versprach mal, Newton im Ernstfall open zu sourcen und self-hostbar zu machen. Eingelöst: nie. Ein neuer Stack, der ohne teure Zentral-Server auskommt, wäre eigentlich die perfekte Vorlage für genau das. Ein selbstgehosteter Docker-Container fürs Backend, from the community for the community. Träumen darf man ja.

Gebe ich die vierte Chance?

Ich hab in Akt III geschrieben, ich würde auch die vierte Chance geben. Wort ist Wort. Solange aber meine selbstgehosteten Adressen und die Ordner-Notifications (mein ewiges Alleinstellungs-Kriterium) nicht laufen, bleibt es bei K9, an das ich mich mittlerweile begrudgingly gewöhnt habe. Newton klopft von innen an den Sargdeckel, und ich mache den Deckel nochmal einen Spalt auf.

Akt IV. Vorhang auf. Mal sehen, wie lange die Beleuchtung anbleibt.

Edit oder Update folgt, sobald IMAP/self-hosted funktioniert und die Mobile-Apps öffentlich sind.

Weitere Lektüre:

Reddit Post und Subreddit

Blogbeitrag

Newton Changelog/Feedback

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